Die Initiative Lehrkräfte im Hochschuldienst freut sich über interessierten Zuwachs in der Lehrtätigkeit. Eine Übersicht über die einzelnen Promotionsprojekte finden Sie hier.

Promotionsprojekte im Rahmen einer Abordnung als Lehrkraft im Hochschuldienst an der Universität Leipzig

Biologiedidaktik/Grundschuldidaktik Sachunterricht unter besonderer Berücksichtigung von Naturwissenschaft und Technik

Der Wechsel von der Primar- in die Sekundarstufe ist für die naturwissenschaftliche Bildung ein kritischer Übergang. Viele Schüler:innen, die im phänomenorientierten und integrativen Sachunterricht noch motiviert und leistungsstark sind, erreichen diese Zielkriterien im gefächerten NW-Unterricht der Sekundarstufe nicht mehr im selben Maße, wie internationale Befunde zeigen. Dies hat vermutlich auch mit einer veränderten Praxis des naturwissenschaftlichen Unterrichts im Vergleich zur Grundschule zu tun (z.B. Logan & Skamp 2008), die die motivationale Entwicklung negativ beeinflusst (Tröbst et al. 2017). Dieses Kooperationsprojekt zielt auf die Förderung des Evolutionsverständnisses in der Grundschule und im Übergang zur frühen Sekundarstufe (Klasse 6/7). Zu den Problemen des Schulstufenübergangs kommt hier noch, (1) dass Grundschullehrkräfte das Fach Biologie i.d.R. nicht studieren, und (2) die zentrale Bedeutung der Evolutionstheorie sich auch in den Biologie-Lehrplänen der Klasse 6/7 bisher nicht ausreichend widerspiegelt. Fachleute betonen zudem, dass Kindern bereits früh Zugang zu naturwissenschaftlichem Wissen haben sollten, um religiöser Dogmatik entgegenzuwirken (https://evokids.de). Forschungsfragen: 1. Welche fachbezogenen Vorstellungen haben Schüler:innen zu Evolution am Ende der Grundschulzeit und zu Beginn der Sekundarstufe? 2. Wie müssen Unterrichtseinheiten am Ende der Grundschulzeit und am Anfang der Sekundarstufe gestaltet sein, um die Entwicklung von Vorstellungen über und das Interesse an Evolution über den Schulstufenübergang kontinuierlich entwicklungs- und altersgerecht anzuregen und zu unterstützen? 3. In welchem Ausmaß sind solche Unterrichtseinheiten lernwirksam im Vergleich mit herkömmlichem Unterricht? Das Forschungsdesign folgt dem Design-based-research-Ansatz. Dabei werden Lehr- Lern-Umgebungen auf theoretischer Basis und zugleich mit unterrichtspraktischer Expertise entwickelt, im Unterricht erprobt und auf Basis der Begleitforschung und der Evaluation durch Lehrer:innen und Schüler:innen überarbeitet (Wilhelm & Hopf, 2014). Es sind mindestens drei Designzyklen vorgesehen, in deren Zuge die Unterrichtseinheiten mit zunehmender Intensität an standardisierter Begleitforschung implementiert und Forschungsdaten in den Jahrgangsstufen 3-4 sowie 5-6 erhoben werden. In der abschließenden summativen Evaluation wird die Effektivität der Module im Vergleich zu herkömmlichem Unterricht (Cunningham et al., 2019) getestet.

Das Forschungsvorhaben wird in der Theodor-Litt-Forschung angesiedelt sein, die am Arbeitsbereich Allgemeine Erziehungswissenschaft verankert ist. Derzeit entsteht in Zusammenarbeit mit dem Universitätsarchiv Leipzig eine digitale Gesamtausgabe des Nachlasses und der Erstausgaben der gedruckten Werke Theodor Litts. Inhaltliche Schwerpunkte dieser Gesamtausgabe werden die demokratiepädagogischen Überlegungen Litts sein. Die Gesamtausgabe wird die Möglichkeit bieten, nicht nur die Werke Litts, sondern auch die Briefwechsel, Aufsätze, Rezensionen und Zeitungsartikel, die im Kontext und im Umfeld der Werke Litts erschienen sind, miteinander in Beziehung zu setzen. Außerdem wir innerhalb der Gesamtausgabe eine Volltextsuche möglich sein. Mit dem Forschungsvorhaben wird gleichermaßen die demokratiepolitische Stellung Litts gegenüber dem Nationalsozialismus und dem sich etablierenden Kommunismus in der SBZ/DDR und seine Auseinandersetzung mit beiden totalitären Systemen ins Zentrum gesetzt. Unter den Vertretern der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik bekundete Litt deutlich, dass sein philosophisches und pädagogisches Denken und sein damit zusammenhängendes Politikverständnis unvereinbar mit grundlegenden Elementen nationalsozialistischer und kommunistischer Weltanschauung war. Die digitale Gesamtausgabe wird neue Möglichkeiten einer systematischen Kontextualisierung des demokratiepädagogischen Denkens von Theodor Litt bieten. Von der engen Anbindung des Forschungsvorhaben an die Entwicklung der digitalen Gesamtausgabe ist eine gegenseitige Beeinflussung und methodische Schärfung beider Projekte zu erwarten. Die Auseinandersetzung mit den demokratiepolitischen Arbeiten Litts stellt zugleich einen Beitrag zur neuen Theodor-Litt-Forschung und zur Demokratiepädagogik dar. Die systematische Auseinandersetzung mit dem demokratiepädagogischen Werk Theodor Litts soll in einem zweiten Schritt für den Einsatz im Unterricht nutzbar gemacht werden. Bezugnehmend auf die Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“ werden im Rahmen des Projekts auf der Grundlage des erarbeiteten Materials Unterrichtseinheiten entwickelt. Die Entwicklung der vollständigen Unterrichtseinheiten orientiert sich an den durch den gemeinnützigen Verein „Deutschland sicher im Netz e.V.“ entwickelten digitalen Bildungseinheiten „DigiBitS“ (Digitale Bildung trifft Schule). Neben Hinweisen zu Methoden und Materialien sowie entsprechenden Hintergrundinformationen, werden Verlaufsplanungen der entsprechenden Unterrichtseinheiten erarbeitet. Lehrer:innen im Hochschuldienst mit politik- und geschichtsdidaktischer Erfahrung bringen für die Umsetzung des Forschungsvorhabens günstige Voraussetzungen mit.

Inklusive Bildung unter besonderer Berücksichtigung sonderpädagogischer Lernförderung

Anlass: Es gibt keinen einheitlichen Begriff und keine einheitliche Definition der Zielgruppe im sonderpädagogischen Schwerpunkt Lernen. Diese Unterschiedlichkeit bringt eine Unschärfe sowie starke Schwankungen in der statistischen Erfassung und bei der Feststellung des Förderbedarfs zwischen den einzelnen Bundesländern oder gar zwischen benachbarten Landkreisen mit sich (Scheer & Melzer, 2020). Daraus folgt, dass es keine einheitlichen Vorgaben und keinen einheitlichen Rahmen für Diagnostik gibt, an denen sich Lehrkräfte 3/3 orientieren können. Dementsprechend gibt es keinen bundesweit vergleichbaren Überblick über die Schüler:innenschaft im Förderschwerpunkt Lernen. Unter dem Aspekt der Inklusiven Bildung manifestiert sich hier das Ressourcen-Etikettierungs-Dilemma als zentrale Herausforderung dieser (Neumann & Lütje-Klose, 2020, S. 14). Förderquoten steigen in der „Hoffnung“ auf mehr personelle, räumliche und finanzielle Ressourcen.

Projektidee: Zunächst für Sachsen soll eine Beschreibung der Schüler:innenschaft mit dem Förderschwerpunkt Lernen erfolgen. Es soll ein Mixed-Method-Ansatz verfolgt werden, der die Repertory Grid Methode als Interviewform beinhaltet. Aus den Daten der Interviews wird ein Screeningbogen entwickelt, der in Sachsen evaluiert werden soll. Ziel ist, dass die Lehrkräfte eine Orientierung über die aktuelle Schüler:innenschaft erhalten, die es so noch nicht gibt. Zugleich kann die Inklusive Bildung in Sachsen im Hinblick auf diese Schüler:innenschaft gestärkt werden, da es zu untersuchen gilt, inwiefern sich Schüler:innen mit und ohne FSP anhand dieses Instruments unterscheiden. Es wird eine kumulative Dissertation mit folgenden drei Teilstudien angestrebt: 1) Eine qualitativ-inhaltsanalytische Betrachtung im Rahmen eines Reviews von internationalen und nationalen Studien im FSP Lernen: wie wird die Zielgruppe definiert bzw. erhoben (Vorgehen analog zur Beschreibung der Definition von Inklusion nach Göransson & Nilholm, 2014) (bis 09/23) 2) Qualitative Erhebung und Beschreibung der Schüler:innengruppe mittels Repertory Grid Methode bei Lehrkräften in Sachsen (Samplingstrategie: Kriterien der theoretischen Sättigung) (bis 06/24) 3) Validierung des aus der Grid-Methode entwickelten Screeningbogens mit einer anfallenden Stichprobe. Anvisiert N=2.000 (bis 05/25).

Durch die Implementierung des Staatsexamensstudienganges Lehramt an Berufsbildenden Schulen mit der Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung ergibt sich ein quasi-experimentelles Untersuchungsdesign. In den Bachelorstudiengang Wirtschaftspädagogik wurden zum WiSe 21/22 das letzte Mal Studierende immatrikuliert. Gleichzeitig startet ab dem WiSe 22/23 der Staatsexamensstudiengang Lehramt an berufsbildenden Schulen mit der Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung. Dieses eröffnet die einmalige Option, Studierende aus beiden Studienmodellen systematisch miteinander zu vergleichen. Dem geplanten Dissertationsvorhaben liegen zentrale Modelle zur Lehrprofessionalität für Lehramtsstudierende zugrunde (vgl. Shulman, 1987; Zlatkin-Troitschanskaia et al., 2009). Es werden sowohl das Professionswissen als auch non-kognitive Kompetenzfacetten (Einstellungen, motivationale Orientierungen, epistemologische Überzeugungen) aus beiden Studienmodellen fokussiert. Die Studierenden aus dem BA/MA-Studienmodell haben den Studiengang mit der Aussicht aufgenommen, aufgrund der Polyvalenz der Ausgestaltung nach dem Studium zwischen einer schulischen und betrieblichen Beschäftigung zu wählen. Für den Lehramtsstudiengang ist diese Polyvalenz nicht gegeben. Studieneinsteiger:innen in den Lehramtsstudiengang sollten demnach ein anderes Profil aufweisen als Studieneinsteiger:innen in den 2/2 BA/MA-Studiengang Wirtschaftspädagogik. Hierzu gibt es aber deutschlandweit keinerlei Befunde, so dass die Umstrukturierung von den BA/MA-Studienmodellen zu einem Staatsexamensstudiengang bislang nicht untersucht wurde. Die abgeordnete Lehrkraft bringt in dieses Projekt die Erfahrungen aus dem Schuldienst mit ein. Aus diesem Hintergrund können auf Basis von qualitativ und quantitativ erhobenen Daten zu beiden Studienmodellen Hinweise abgeleitet werden, wie die Wirksamkeit der angebotenen Lehrveranstaltungen (insbesondere die Praktikastruktur) optimiert werden kann. Für den Lehramtsstudiengang ergeben sich aus dem Wirken der abgeordneten Lehrkraft Synergieeffekte. Die Lehrkraft kann bei der Bewerbung des Lehramtsstudienganges Empfehlungen einfließen lassen, wie passende Schulabsolvent:innen für den spezifischen berufsbildenden Lehramtsstudiengang erreicht werden können. Hier sind insbesondere Studieninteressierte mit einer (kaufmverw.) Ausbildung als auch von Wirtschaftsgymnasien von Interesse, deren Anteil aktuell in den Studiengängen der Wirtschaftspädagogik im Bachelor- und Masterstudiengang in den letzten 10 Jahren rückläufig ist.

A) Arbeitstitel „Demokratiebildung im Sportunterricht – ein Thema in der Sportlehrkräfteausbildung. Entwicklung, Anwendung und Evaluation von Lehr-Lernszenarien“ 2/2

In den letzten Jahren rückt das Thema Demokratiebildung in der Schule im pädagogischen Diskurs zunehmend in den Fokus. Die KMK Empfehlungen von 2018 „Demokratie als Ziel, Gegenstand und Praxis historisch-politischer Bildung und Erziehung in der Schule“ stellt die Schule als Ort gelebter Demokratie heraus. Dabei wird auch die Bedeutung aller Fächer in diesem Kontext betont. Dem Sportunterricht als einem erfahrungsorientierten interaktiven Fach, indem viele Entscheidungssituationen und – methoden zentral sind, wird ein erhebliches demokratiebildendes Potenzial zugeschrieben (Prohl & Ratzmann, 2017)1. Auf welche Weise, angehende Sportlehrkräfte ausgebildet werden sollten, um dieses Potential in ihrer zukünftigen Tätigkeit als Sportlehrkraft zu nutzen, wurde im Fachdiskurs bisher kaum untersucht. Das geplante Dissertationsprojekt greift dieses Forschungsdefizit auf. Es verfolgt das Ziel, Forschungserkenntnisse zu generieren, die zur Verbesserung der universitären Sportlehrkräfteausbildung hinsichtlich des Themenfeldes „Demokratiebildung im Sportunterricht“ beitragen. Lehr-Lernszenarien, die die Studierenden für das Thema sensibilisieren und sie befähigen sollen, einen demokratieförderlichen Sportunterricht zu planen, durchzuführen und zu reflektieren, sollen entwickelt, angewendet und evaluiert werden. Vom Design Based Research Ansatz gerahmt werden vier Forschungsphasen durchlaufen: Zunächst wird die existierende Forschungsliteratur analysiert sowie qualitative leitfadengestützte Expert:inneninterviews durchgeführt (Phase 1). In einem zweiten Schritt (Phase 2) werden die dabei gewonnenen Erkenntnisse für die Entwicklung von Lehr-Lernszenarien genutzt, die im Seminar „Didaktik 2“ angewendet werden. Nach der Durchführung werden sie in einem dritten Schritt (Phase 3) hinsichtlich ihrer Wirkweisen qualitativ evaluiert und Design Principles herausgearbeitet. In einem letzten Schritt werden die Lehr-Lernszenarien angepasst und ein weiteres Mal implementiert (Phase 4).

 

B) Arbeitstitel „Sexualisierte Gewalt im Sportunterricht“ – ein Thema in der Sportlehrkräfteausbildung. Entwicklung, Anwendung und Evaluation von Lehr-Lernszenarien“ 2/2

Sportunterricht bietet erhebliche Angriffsflächen für körperbezogene Grenzüberschreitungen, die sowohl Schüler:innen untereinander aber auch Lehrkräfte ausnutzen für sexualisierte Kommentare oder Handlungen (Hunger, Böhlke & Witte, 2017)1. Lehrkräfte unterschätzen allerdings das Vorkommen sexualisierter Gewalt im Sportunterricht: Erscheinungsformen wie ungewollte Berührungen, verbale Abwertungen, sexistische Sprüche oder entsprechende Gesten werden aufgrund ihres gehäuften Vorkommens schon fast als „normal“ empfunden (Klein & Palzkill, 1998)2. Während das Thema sexualisierte Gewalt in den letzten Jahren im Wesentlichen im Kontext des organisierten Sports untersucht wurde und aus den Ergebnissen Ausbildungsmodule für Übungsleiter:innen und Trainer:innen abgeleitet wurden, steht eine vergleichbare Forschungs- und Entwicklungstätigkeit in Bezug auf den schulischen Sport bisher aus. Das geplante Dissertationsprojekt greift dieses Forschungsdefizit auf. Es verfolgt das Ziel, Forschungserkenntnisse zu generieren, die zur Verbesserung der universitären Sportlehrkräfteausbildung hinsichtlich des Themenfeldes „Sexualisierte Gewalt im Sportunterricht“ beitragen. Lehr-Lernszenarien, die die Studierenden für das Thema sensibilisieren, ihnen Präventions- und Interventionsstrategien aufzeigen, sollen entwickelt, angewendet und evaluiert werden. Vom Design Based Research Ansatz gerahmt werden vier Forschungsphasen durchlaufen: Zunächst wird die existierende Forschungsliteratur analysiert sowie qualitative leitfadengestützte Expert:inneninterviews durchgeführt (Phase 1). In einem zweiten Schritt (Phase 2) werden die dabei gewonnenen Erkenntnisse für die Entwicklung von Lehr-Lernszenarien genutzt, die im Seminar „Didaktik 2“ angewendet werden. Nach der Durchführung werden sie in einem dritten Schritt (Phase 3) hinsichtlich ihrer Wirkweisen qualitativ evaluiert und Design Principles herausgearbeitet. In einem letzten Schritt werden die Lehr-Lernszenarien angepasst und ein weiteres Mal implementiert (Phase 4).

 

C) In dem Projekt geht es um die Entwicklung von evidenzbasierten Unterrichtsmaterialien für die Dopingprävention im Sport bzw. die Prävention der Einnahme von leistungssteigernden Mitteln im Allgemeinen. Die Verwendung von verbotenen leistungssteigernden Substanzen oder Methoden ist nicht nur im Sport ein weit verbreitetes Phänomen, welches negative Folgen für die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern sowie für die Integrität des Sports hat. Studien zeigen, dass sowohl persönliche als auch soziale Umfeld-Faktoren eine Rolle bei der Entscheidung für die Einnahme bzw. Verwendung verbotener Mittel spielen und darüber hinaus, dass die am stärksten mit Dopingabsichten verbundenen Variablen von moralischer Natur sind. Persönliche Werte und Einstellungen entwickeln sich über die Lebensspanne und sind veränderbar. Ziel des Projekts ist es, Lehrmaterialien für den Sport- bzw. Ethikunterricht zu entwickeln, die auf die positive Entwicklung bzw. Veränderung dieser moralischen Variablen abzielen. Diese Lehrmaterialien sollen dann im Rahmen einer Intervention auf ihre Wirksamkeit hin mit Hilfe einer (Warte-) Kontrollgruppe überprüft werden. Mögliche Dopingabsichten werden mittels hypothetischer Szenarien erhoben, während die Variablen (z.B. moralisches Disengagement, ethisches Klima) mittels standardisierter Fragebögen erhoben werden. Alle Messungen werden zu einem Prä-Test, einem Post-Test sowie zu einem dreimonatigen Follow-up durchgeführt. Darüber hinaus soll eine umfangreiche qualitative Untersuchung des Lernprozesses und der Wirkungsweise der Intervention erfolgen. Neben der Entwicklung und Prüfung der Interventionsinhalte ist es zudem das Ziel Lehrmaterialien zu konzipieren, welche Lehrende für den Unterricht zur wertebasierten Dopingprävention einsetzen können.

Die Bedeutung von Wittgensteins Sprachspielbegriff für die Didaktik der Philosophie Wittgensteins Philosophie ist weltweit ein zentraler Bezugspunkt für Überlegungen zur Didakitk im allgemeinen und zur Didaktik der Philosophie im besonderen. Zu seiner grundlegenden Idee, dass ein Regelfolgen, in dem man die Regel und was sie verlangt versteht, voraussetzt, daß man zunächst zu dem fraglichen Verhalten abgerichtet worden ist – die Idee also, dass alles Verstehen ein Moment der durch Abrichtung erzwungenen Habitualisierung einschließt – hat sich eine weitverzweigte Debatte entwickelt. (Vgl. Williams, Meredith, Blind Obediance, London 2010, und die kritische Diskussion in Kern, Andrea, „Human Life, Rationality, and Education“, Journal of Philosophy of Education 2020). Diese Idee Wittgensteins findet 2/2 sich in der Literatur oft verknüpft mit der auf Aristoteles zurückgehenden Idee, nach der die dianoetischen Tugenden (die also, die in Einsicht und Verstehen liegen) nur in Einheit mit ethischen Tugenden (die in einem eingeübten Habitus liegen) möglich sind. (Vgl. dazu Müller, Anselm, Produktion oder Praxis? Philosophie des Handelns am Beispiel der Erziehung, Frankfurt 2008, und die kritische Diskussion in Rödl, Sebastian, „Education and Autonomy“, Journal of Philosophy of Education 2016.) Diese aristotelisch-wittgensteinianische Linie ist in der deutschsprachigen Fachdidaktik bisher kaum rezipiert worden. Dort werden für den Philosophie- und den Ethikunterricht einerseits freie Formen des sokratischen Gesprächs als grundlegende Form der Vermittlung, andererseits die logisch-inferentielle Ordnung der Argumentation als einziger Maßstab der Beurteilung vorgestellt. Die (aristotelisch gesprochen) ethische, im Habitus liegende Seite ethischer Einsicht und die (wittgensteinianisch gesprochen) blinde Seite des ethischen Könnens werden in diesem Verständnis des Ethikunterrichts nicht reflektiert. Das Projekt will diesen blinden Fleck zu beleuchten und die sokratisch-inferentialistische deutschsprachige Fachdidaktik in einen Dialog mit der vor allem anglophonen Literatur bringen, die den beschriebenen aristotelisch-wittgensteinianischen Grundgedanken ausarbeitet. Es steht zu erwarten, daß dieser Dialog gerade im philosophischen Unterricht in neuer Weise orientierend sein kann. Die Betreuung des Projekts durch Prof. Sebastian Rödl und Dr. Svantje Guinebert, welche langjährige Erfahrung in der Betreuung von Promotionen mitbringen und durch einschlägige Veröffentlichungen in diesem Feld ausgewiesen sind, schafft beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche fachdidaktische Promotion.

Vorgesehen ist eine Promotion in der Medienpädagogik und -didaktik. Es wird die wissenschaftliche Begleitung, Entwicklung und Langzeitevaluation der Vernetzung von Politischer Bildung und Medienbildung, insbesondere des neuen Moduls „Medienbildung und Politische Bildung in der Schule“ in den Ergänzungsstudien, angestrebt.

Arbeitstitel

Digital lernen und lehren – Gelingensbedingungen und Erfolgsfaktoren für eine digitalisierungsbezogene Qualifizierung angehender Lehrer:innen und den Transfer digitaler Lern- bzw. Lehrmethoden in die Schulpraxis

Zielgruppe

• Lehramtsstudierende (als Hauptzielgruppe à Empirische Längsschnittuntersuchung der digitalisierungsbezogenen Qualifizierung in der ersten Phase der Lehrerbildung)

• Ehemalige Studierende im Referendariat (Qualitative Interviews)

Forschungsfragen

• Welche digitalisierungsbezogenen Kompetenzen (Medienkompetenzen; medienpädagogische Kompetenzen, mediendidaktische Kompetenzen) brauchen angehende Lehrer*innen, um digitale Medien in ihrer zukünftigen Berufspraxis als Lehr-Lernwerkzeuge einsetzen zu können?

• Wie müssen diese Kompetenzen vermittelt werden?

Praktiken des Musikverstehens im Unterricht Umgangsweisen mit Musik zielen auf den Nachvollzug musikalischen Sinns. Mit dem Nachvollzug direkt verbunden ist der Begriff des Verstehens, der in phänomenologischer Lesart nicht auf die Auslegung von Texten begrenzt ist, sondern auf jede Form menschlicher Äußerungen erweiterbar ist. In diesem Sinne kann Hören und Spielen von Musik ebenso wie Bewegung zu Musik als Verstehen gelten. Verstehen ist also nicht nur als Verbalisierung aufzufassen, sondern beginnt im nonverbalen Bereich leibsinnlicher Begegnung und hat in diesem seinen unumgänglichen Ausgangspunkt. Weiteres Charakteristikum eines solchen Begriffs des 2/2 Musikverstehens ist seine Prozessualität: Musikverstehen als Nachvollzug lässt sich nur äußerst begrenzt von dem musikpraktischen Prozess bzw. Musikhören lösen. Andrerseits gibt es eine Vielzahl musikbezogener Praktiken, die mit dem Verstehen von Musik verbunden zu sein scheinen, zugleich aber über musikalische Praxis im engeren Sinne hinausgehen, wie das Beschreiben von Höreindrücken, das Interpretieren eines Liedtextes, die Auseinandersetzung mit dem Entstehungskontext, das Herausarbeiten eines Formschemas etc. Handlungen wie diese kommen in Aufgabenstellungen des Musikunterrichts vor; die Qualität des Unterrichts entscheidet sich daran, wie diese Aufgaben mit dem nachvollziehenden Verstehen verbunden bleiben. Musikverstehen zu entwickeln und zu unterstützen, kann als Ziel musikalischer Bildung und Musikunterricht gelten. So selbstverständlich dieses Ziel anmutet, so problematisch erscheint jedoch seine unterrichtliche Umsetzung, die auf Klarheit der Zielperspektive, eine aufbauende Struktur sowie auf Verbalität angewiesen ist. Gerade für elementare, vom vorsprachlichen Erleben ausgehende Verstehensprozesse, um die es im schulischen Musikunterricht geht, fehlt es an klar bestimmbaren Kriterien, auf die bezogen die Qualität und Wirksamkeit eines Unterrichtssettings beurteilt werden könnte. Hier setzt das Forschungsinteresse ein. In videografierten Unterrichtsstunden werden musikbezogene Praktiken des Verstehens fokussiert und hinsichtlich ihrer Verbindung zum musikalisch-praktischen Nachvollzug untersucht. Dabei geht es einerseits um Aufgabentypen und andrerseits um ‚microadaptive Handlungsroutinen‘ (Kranefeld) der Lehrperson.

Die Arbeitsgruppe von PD Dr. Frank Stallmach Hochschuldidaktik der Physik im Bereich Didaktik der Physik (Zur Website) befasst sich u.a. mit hochschuldidaktischen Fragestellungen zur Verbesserung der Lehre durch Einbeziehung moderner Medien. Insbesondere arbeitet die Gruppe international erfolgreich auf dem Gebiet des Smarten Physiklabors, in dem eigenständiges Experimentieren der Studierenden neben klassischen Vorlesungen und Seminaren ein zentrales Element der universitären Physikausbildung ist. Die Forschungsergebnisse lassen sich auch in den Physikunterricht der Schule übertragen. Die LiH kann hier an der Entwicklung und Erprobung digitaler bzw. experimenteller Lehr-Lern-Szenarien für den Einsatz in der Schule mitarbeiten. Ziel ist es dabei, neue mit dem Smarten Physiklabor und dem Einsatz digitaler Messtechnik verbundene Unterrichtskonzepte für den Physikunterricht zu entwickeln und deren Realisierbarkeit im Schulalltag zu erproben. Die Dokumentation der Arbeitsergebnisse erfolgt durch die Mitarbeit an Publikationen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften. Eine Promotion zu diesem Thema wird von Herrn PD Dr. Stallmach in Absprache mit der/dem neu berufenen Professor:in ausdrücklich unterstützt.

Emotionale und soziale Entwicklung unter Berücksichtigung sonderpädagogischer Förderung und inklusiver Kontexte

Anlass: In Sachsen kann laut der Verordnung Förderschulen (SOFS) für Kinder in jeder Klassenstufe (bis 6. Klasse) ein Feststellungsverfahren eingeleitet werden. In der ersten Klasse wird dies meist im Januar geschehen, wenn die Lehrkräfte die Kinder einige Zeit kennen. Allerdings wird nicht festgelegt, nach welchen Kriterien der Förderbedarf zugeschrieben wird. Gerade der Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung ist aber von subjektiven Einschätzungen und Normvorstellungen abhängig. Das Projekt hat das Ziel, diese Einschätzungen mit systematisch durchgeführten Beobachtungen abzugleichen. Auf diese Weise soll ein Beitrag zur bewussten Formulierung von Kriterien geleistet werden, um einerseits Lehrkräften Sicherheit im Feststellungsverfahren zu geben, andererseits aber inklusionsorientiert über die dimensionale Ausrichtung eine Alternative für die Etikettierung hin zu einer systematischen Verlaufsdiagnostik zu bieten.

Projektidee: Das Projekt nutzt einen Mixed-Method-Ansatz, bei dem Videografie sowie Interviews zum Einsatz kommen. 

1) Zwei Lehrkräfte der ersten Klassen einer Grundschule sollen angeleitet pro Woche eine Deutsch- und eine Mathematikstunde mit zwei Videokameras aufzeichnen. Diese sind so positioniert, dass der gesamte Klassenraum erfasst wird. Die Schulstunden werden bis zum Tag des Antrags auf Feststellung des Förderbedarfs aufgezeichnet, aber nicht ausgewertet. Ziel ist die Aufnahme des Verhaltensverlaufs vom ersten Schultag an. (bis 01/24)

2) Direkt im Anschluss des Antrags werden Interviews mit den Klassenlehrkräften geführt, aufgrund welcher Verhaltensweisen sowie deren Intensität ein Antrag auf Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung gestellt wurde. Diese Aspekte/ Verhaltensweisen sind Grundlage für die Auswertung der videographierten Unterrichtsstunden (siehe 3) (02-05/24)

3) Aus den Interviews werden Beobachtungskategorien extrahiert, die Grundlage für die systematische Auswertung sind (alle Formen können in Abhängigkeit des berichteten Verhaltens zu Einsatz: Strichliste, Momentary Time Sampling, Interval Recording, Event Sampling). Die Auswertung soll vergleichend (kontrastierend) zwischen Schüler:innen mit eingeleitetem und ohne eingeleitetem Feststellungsverfahren durchgeführt werden. Aus den Auswertungen können Hinweise für die Entstehung und Ausformung von herausfordernden Verhaltensweisen in der Schule in Wechselwirkung mit Interaktionen zwischen Lehrkraft und Schüler:in geben (bis 05/25).