Im Projekt Schulische Vielfalt erleben haben Lehramtsstudierende in den ersten Semestern die Möglichkeit, Schulen mit besonderen pädagogischen Konzepten in Sachsen kennenzulernen. Krankenhausschulen, inklusive Ganztagsschulen, Schulen mit christlich geprägtem Leitbild und Montessori-Grundschulen bilden hier eine Auswahl der vielen, innovativen Einrichtungen in Sachsen. Das Projekt Schulische Vielfalt erleben bietet bereits während des Studiums Kontakte zu Schulen und Praktikumsverantwortlichen sowie darüber hinaus ein nützliches Netzwerk zu potenziellen Arbeitgeber_Innen.

Durch die Exkursion fühle ich mich motivierter. Dadurch habe ich wieder gemerkt, warum ich mein Studium mache.

Laura, 1. Semester, zur Exkursion zum Epilepsiezentrum Radeberg

Junge Frau, mit weißem Schal und bunter Wollmütze, hält Fernglas in der Hand und blickt damit in die Ferne
Foto: Colourbox.de

Sächsische Schullandschaft entdecken

Aufgrund der begrenzten Projektlaufzeit können keine weiteren Termine für Exkursionen angeboten werden. Wir möchten Ihnen jedoch hier unsere Partnerschulen vorstellen, mit denen wir in eineinhalb Jahren eine erfolgreiche und spannende Zusammenarbeit erleben durften. Um die 80 Studierende aller Lehrämter konnten sich vor Ort von außergewöhnlichen Konzepten, engagierten Kollegien und wertvollen Rahmenbedingungen an ländlichen Schulen überzeugen. Einige Teilnehmer_Innen haben sich entschieden, im Anschluss ein Blockpraktikum oder Referendariat an der jeweiligen Schule zu absolvieren. Wir möchten an dieser Stelle ganz herzlich allen teilgenommenen Studierenden und schulischen Partnern für ihr großes Engagement sowie die Motivation und Offenheit danken.

Sollten Sie Fragen, insbesondere zu Praktika oder Hospitationsmöglichkeiten an den vorgestellten Schulen haben, so helfen wir oder das Büro für Schulpraktische Studien gerne weiter.

Wir freuen uns auf Ihre Nachricht und wünschen Ihnen weiterhin ein erfolgreiches Lehramtsstudium.

Die Partnerschulen in der Übersicht

(Förderschwerpunkt geistige Entwicklung)

Das Förderzentrum „Fröbelschule Delitzsch“ versteht sich als Schulgemeinschaft, die Vielfalt lebt und achtet und den Einzelnen in den Mittelpunkt stellt. Es lernen dort derzeit 60 Kinder und Jugendliche im Alter von 6-21 Jahren mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Schwerpunkt geistige Entwicklung. Neben einer individuellen Betreuung der Lernenden im Unterricht, fungieren die Lehrkräfte zudem in der sonderpädagogischen Diagnostik. Gleichzeitig beraten, fördern und unterstützen die Sonderpädagog_Innen die Regelschulen im Umkreis, in denen Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf in den Schwerpunkten geistige, sprachliche, sozial-emotionale und körperliche Entwicklung inklusiv lernen. Mehrere Wochen des Schuljahres wird in Projekten gearbeitet und das jahrgangs- und klassenübergreifende Arbeiten gehört zum Schulkonzept. Die „Fröbelschule Delitzsch“ ist eine Schule mit Ganztagsangebot, Mittagsversorgung und familiärem Charakter. Auf das Engagement als Schule mit Courage, gewaltfreie und gesunde Schule sowie beim Schulgartenwettbewerb wird großen Wert gelegt.

(Förderschwerpunkt geistige Entwicklung)

Das Sächsische Epilepsiezentrum Kleinwachau ist eine gemeinnützige diakonische Einrichtung mit ambulanten und stationären Angeboten für Menschen mit Epilepsie sowie für Menschen mit Behinderungen. Kleinwachau ist nicht nur ein Ort, sondern vor allem ein Gefühl. Hier beraten, behandeln, fördern, assistieren, pflegen, lehren und lernen, leben und arbeiten Bewohner_Innen, Patient_Innen, Werkstattbeschäftigte, Schüler_Innen und über 500 Mitarbeiter_Innen miteinander. In der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung lernen Schüler_Innen in kleinen Klassen mit individueller Begleitung. Neben speziellem Fachunterricht in Musik und Rhythmik, bietet die Schule auch Angebote wie Physiotherapie, Sprachförderung oder Bewegungsbad. Ein weiterer Fokus liegt auf der Kooperation mit Grundschulen aus dem Landkreis, auf inklusiven Projekten sowie auf dem Thema Berufsorientierung. Im Schülercafé oder der Bügelfirma werden junge Menschen auf die beruflichen Herausforderungen vorbereitet. Die Klinikklasse betreut Kinder, die im Krankenhaus mit dem Schwerpunkt Epilepsie behandelt werden. Diese werden gemäß ihrem Bildungsstand in drei Gruppen beschult. Dabei handelt es sich um Oberschüler_Innen, Gymnasiast_Innen, Berufsschüler_Innen und Grundschüler_Innen, aber auch Vorschüler_Innen sowie Kinder mit komplexen Entwicklungsbeeinträchtigungen.

(Förderschwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung)

Am Förderzentrum „Clemens Winkler“ steht die sonderpädagogische Förderung im Schwerpunkt emotional-soziale Entwicklung im Fokus. Die Institution in öffentlicher Trägerschaft des Landkreises Mittelsachsens beschult, diagnostiziert und berät. Besonderer Wert wird auf ein soziales und demokratisches Miteinander und die gemeinsame Erarbeitung einer konstruktiven Konfliktkultur gelegt. Zur Förderung von emotionalen und sozialen Kompetenzen werden unter anderem das aus der humanistischen Psychologie stammende Konzept „Magic Circle“ sowie das Präventionsprogramm „Lubo aus dem All“ angewendet. Ziel der Schule und des Kollegiums ist es, den Schüler_Innen die Rückführung an ihre Regelschule zu ermöglichen. Das Förderzentrum steht in enger Kooperation mit umliegenden Institutionen und engagiert sich in projektbezogener Arbeit. So sind Medien- und Zirkusprojekte fester Bestandteil eines jeden Schuljahres.

 

(Förderschwerpunkt Sehen)

Die Landesschule für Blinde und Sehbehinderte Chemnitz, Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sehen, setzt sich aus den vier Schulbereichen Grundschule, Oberschule, Förderschwerpunkt Lernen und geistige Entwicklung zusammen. In der barrierefreien Einrichtung lernen ca. 150 Schüler_Innen in Kleinstklassen, wo diese ideale räumliche, materielle und mediale Bedingungen vorfinden. Aktuell fördern 80 Lehrkräfte mit großem Engagement sowie ein Mobiler Sonderpädagogischer Dienst der Schule mehr als 120 Schüler_Innen mit dem Förderschwerpunkt Sehen sowie anderen Handicaps in der inklusiven Unterrichtung. Der Unterricht wird durch Kreativangebote wie die Schultheatergruppe, AGs (z.B. Klettern, Chor) und die Cellogruppe erweitert. Die Landesschule für Blinde und Sehbehinderte Chemnitz ist die größte und eine von nur zwei Schulinstitutionen in ganz Sachsen, in der blinde und sehbeeinträchtigte Menschen lernen und ebenfalls wohnen können.

 

Seit 1997 arbeitet die staatlich anerkannte Montessori-Grundschule Limbach als inklusive Ganztagsschule mit einem pädagogischen Konzept, in dem die Entwicklung und Förderung jedes Kindes im Mittelpunkt steht. Der Tagesablauf an der Montessori-Grundschule ist geprägt von Freiräumen und altersgerechten Bildungskonzepten, wobei das praktische Begreifen als Schlüssel zum Erfolg gesehen wird. Freiarbeit, organisiertes Lernen und ein Kurssystem am Nachmittag sind hierbei eng miteinander verwoben. Statt einer Bewertung mit Noten und Leistungskontrollen, wird eine Beobachtung der Entwicklung der Schüler_Innen vorgezogen, mit deren Hilfe dann die weitere Förderung geplant werden kann. Am Nachmittag stehen vielfältige Ganztagsangebote zur Verfügung. Dazu gehören kreatives Gestalten, Mineralien und Holzbearbeitung.

(Grund- und Oberschule, Gymnasium)

Die SCHKOLA Oberland ist Grund- und Mittelschule sowie Gymnasium in freier Trägerschaft. Seit 2003 lernen hier 350 Schüler_innen in 14 altersgemischten Lerngruppen mit und ohne Behinderung. Von Anfang an lernen diese Tschechisch und erleben mit den Partnerschaftsschulen in Liberec (CZ) und Bogatynia (PL) die weltoffene Nachbarschaft. Weitere Besonderheiten der Gesamtschule sind der Wochenplanunterricht und die offenen gehaltenen Räumlichkeiten ohne klassische Schulbankreihen. Das Markenzeichen der SCHKOLA Oberland ist die gesunde Lebensweise. Dies spiegelt sich beispielsweise in den gemeinsamen Mahlzeiten wie Frühstück, Mittag und Nachmittagssnack wieder. Für diese werden ökologische und regionale Produkte genutzt und selbst mit den Schüler_Innen frisch zubereitet.

(Grund- und Oberschule)

Die SCHKOLA Ostritz ist eine Grund- und Oberschule in freier Trägerschaft, in welcher von der ersten bis zur achten Klasse gelernt wird. Seit 2005 erfahren Schüler_Innen in altersgemischten Lerngruppen in zahlreichen Projekten ihre Umwelt, forschen und probieren sich im offenen Unterricht aus. Zweimal im Monat findet ein Treffen mit den Schüler_Innen der Partnerschule in Bogatynia (PL) statt, Polnisch wird von der ersten Klasse an gelernt. Außerdem ist die SCHKOLA Ostritz eine Umweltmodellschule. Für ihren innovativen Lernansatz hat diese bereits mehrere Auszeichnungen, wie z.B. den Sächsischen Umweltpreis 2009 erhalten. Zusätzlich ist sie UN-Dekade Schule für biologische Vielfalt. Das naturbelassene Außengelände mit einer Biberburg und einem Umweltgarten bietet sowohl für Schüler_Innen als auch Mitwirkende einen Raum zum Forschen und Toben, aber auch zum zur Ruhe kommen.

Die SCHKOLA Hartau wurde 1999 als freie Grundschule gegründet. Seitdem lernen hier ca. 100 Schüler_Innen in altersgemischten Lerngruppen. Jede Lerngruppe hat dabei eine Partnerschaftsklasse in der Nachbarschule Hrádek (CZ). Die Schüler_Innen lernen von Beginn an Tschechisch und begegnen sich einmal in der Woche, wechselseitig in Tschechien und Deutschland zum gemeinsamen Lernen. Die SCHKOLA Hartau ist eine inklusive Ganztagsschule mit integriertem Hort. Außerdem ist sie eine Musicalschule. Jedes Jahr wird hier ein Musical zum öffentlichen Auftritt gebracht. Im Hort werden verschiedene Ganztagsangebote wie die „Jungen Kaninchenzüchter“, Geocaching, Zauberkräuter und orientalischer Tanz angeboten.

 

Die Evangelische Grundschule „Apfelbaum“ in Mügeln/ Schweta ist eine Schule in freier Trägerschaft, die nach verschiedenen reformpädagogischen Ansätzen arbeitet. Unter der Maxime christlich leben, sozial handeln, Begabungen entfalten steht das tägliche Lernen an der Grundschule und unterscheidet sich dadurch klar von einer Regelschule. In der einzügigen Grundschule lernen 84 Schüler_Innen in den Klassen 1-4.  Die Grundschule „Apfelbaum“ bietet allen Lernenden Ganztagsangebote durch die Kooperation mit dem Hort an. Durch die Verzahnung von Schule und Hort arbeitet ein Team aus Lehrkräften und Erzieher_Innen eng zusammen, um einer individuellen Persönlichkeitsentfaltung gerecht zu werden. Die Schüler_Innen sollen dazu befähigt werden, selbstständig, individuell und eigenverantwortlich zu lernen. Darüber hinaus wird besonderer Wert auf ein achtvolles Miteinander gelegt. So lernen die Kinder die Grundformen der Kommunikation und Demokratieverständnis. Die evangelische Grundschule „Apfelbaum“ engagiert sich in verschiedenen Schwerpunkten wie der Inklusion, der bewegten und gesunden Schule und der Digitalisierung.

Junge Menschen als eigenständige Personen wahrzunehmen, hat sich das Chemnitzer Schulmodell seit der Gründung in den 1990er Jahren zum Ziel gesetzt. Schule wird als ein Ort angesehen, welcher Lern- und Entwicklungsprozesse initiieren und begleiten soll. An der einstigen Modellschule lernen derzeit 500 Schüler_Innen in den Klassen 1-10. Partizipation, Verantwortung und Vertrauen werden hier großgeschrieben: So gestalten die Schüler_Innen ihre Schule im eigenen Garten und in den Außenklassenzimmern mit. Die Lernenden werden ebenso in die Organisation des Klassenunterrichts und die Pausenaufsichten miteinbezogen, für die Erstklässler können ältere Schüler_Innen Patenschaften übernehmen und Prüfungsleistungen werden mit den Lehrkräften und Schüler_Innen gemeinsam abgestimmt. Außergewöhnlich für das Chemnitzer Schulmodell sind die Dienstagskurse: Alle 12 Wochen tragen sich die Lernenden in verschiedene Kurse ein, die unter anderem von Schüler_Innen ab Klasse 9 und auch Eltern gegeben werden. Diese Konzeptausrichtung soll die Schule auch für Außenstehende öffnen. Eine Notenvergabe findet erst ab Klasse 8 statt, in den unteren Klassenstufen wird der Lernstand des jeweiligen Kindes in einem Lernprotokoll festgehalten und in einem gemeinsamen Gespräch mit den Erziehungsberechtigten besprochen.

In der Freien Grundschule „Leonardo“ in Chemnitz steht die individuelle, differenzierte Förderung der Lernenden im Mittelpunkt. Die Schüler_Innen lernen im gebundenen Ganztag: Der Unterricht findet in neunzigminütigen Blöcken statt, in welchen bewegte Pausen und Entspannungsphasen für ein bestmögliches Lernen integriert sind. Um ein eigenverantwortliches Lernen der Schüler_Innen zu garantieren, finden wöchentliche Kinderkonferenzen statt, indem die Kinder ihr schulisches Lernen weitestgehend selbst mitgestalten. Der Schulalltag ist von vielfältigen Exkursionen und Schulausflügen an außerschulische Lernorte geprägt. Jede Klasse darf dabei selbst entscheiden, ob sie an einer mehrtägigen Fahrt oder an einzelnen Tagesausflügen teilnimmt. Zudem sind musisch-künstlerische und naturwissenschaftliche Projekte, die sich aus den Interessen und Begabungen der Lernenden ergeben, Teil des Unterrichts.

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