Das Teaching Mindfulness Program unterstützt Lehrkräfte dabei, Achtsamkeit fundiert und alltagstauglich in den Schulalltag zu integrieren. Lehrkräfte, die bereits Achtsamkeit praktizieren, lernen, wie sie diese Haltung und Praxis wirksam an Schüler:innen weitergeben können. Neben praktischen Übungen und altersgerechten Methoden geht es auch um wichtige Fragen rund um traumasensitive Umsetzung, inklusive Bildung und einen achtsamen Umgang mit herausfordernden Situationen im Klassenzimmer.
Als TMP-Teilnehmerin berichtet Friederike Schnurre in Form einer Dokumentation und Reflexion eines durchgeführten Umsetzungsprojektes zur Vermittlung von Achtsamkeit im eigenen Praxisfeld. Sie unterrichtet eine 5. Klasse an der 94. Schule - Oberschule im Schulzentrum Grünau der Stadt Leipzig und hat von November 2024 bis Juni 2025 an dem TMP teilgenommen. Im Folgenden berichtet sie von ihren Erfahrungen im Kurs und von dem, was sie daraus für ihre Arbeit mitgenommen hat.
1. Wie verstehst du deine Rolle als Achtsamkeitsvermittelnde?
„Ich sehe meine Rolle als Achtsamkeitsvermittelnde darin, Menschen in ihrem eigenen Prozess zu begleiten und sie darin zu unterstützen, eine freundliche Haltung sich selbst und anderen gegenüber zu entwickeln. Dabei sehe ich mich weniger als klassische Lehrperson, sondern vielmehr als Wegbegleiterin, die Erfahrungsräume eröffnet und einen sicheren Rahmen bietet. Mein Anliegen ist es, Achtsamkeit in ihrer Vielfalt erfahrbar zu machen – jenseits von Leistungsdruck und mit dem Blick auf individuelle Bedürfnisse. Ich möchte junge Menschen ermutigen, ihren eigenen Zugang zu innerer Ruhe zu finden und Mitgefühl im Alltag zu leben. Achtsamkeit kann dabei helfen, starke Emotionen besser zu verstehen und mit ihnen umzugehen.
Diese Perspektive prägt auch meine Haltung in der Vermittlung: Ich sehe mich selbst als Lernende, die gemeinsam mit den Teilnehmenden auf Entdeckungsreise geht. Meine eigene Praxis ist dabei eine wichtige Grundlage, um Achtsamkeit authentisch weiterzugeben. Gleichzeitig befinde ich mich selbst in einem fortlaufenden Prozess. Das Leben begreife ich als Übungsfeld, in dem achtsames Handeln immer wieder neu erprobt und vertieft werden kann.“
2. Hast du etwas Neues oder Wichtiges über dich gelernt?
„Im Verlauf der Weiterbildung habe ich deutlicher erkannt, wie zentral und wirksam echtes Zuhören ist – und wie selten es im Alltag tatsächlich gelingt. Zuhören kann eines der größten Geschenke sein, die man einem Menschen geben kann. Diese Erfahrung hat mich darin bestärkt, dem Zuhören als Haltung mehr Raum zu geben, sowohl in meiner Arbeit als auch in meinem persönlichen Umfeld. Besonders in den Übungen zum achtsamen Dialog wurde mir bewusst, wie schnell ich innerlich auf das Gesagte reagiere – mit Bewertungen, Gedanken oder dem Impuls, eine Antwort zu formulieren. Achtsames Zuhören bedeutet für mich inzwischen, die eigene Aufmerksamkeit bewusst zu lenken und wirklich beim Gegenüber zu sein. Das gelingt mir nicht immer, aber ich habe gemerkt, wie stark sich die Qualität eines Gesprächs verändert, wenn ich wirklich präsent bin.“
3. Wie hilft dir deine eigene Praxis?
„Meine eigene Praxis unterstützt mich im schulischen Alltag dabei, ruhiger, klarer und aufmerksamer zu bleiben – besonders im Kontakt mit Gruppen oder einzelnen Kindern. Ich beginne viele Tage mit wenigen Minuten für mich: einfache Dehn- oder Yogaübungen, ein kurzer Moment der Stille. Diese Zeit hilft mir, innerlich sortiert und mit einem offenen Blick in den Tag zu gehen. Wenn ich morgens gut bei mir ankomme, fällt es mir leichter, die Schülerinnen und Schüler aufmerksam zu empfangen. Oft spüre ich, wie viel bereits durch die eigene Haltung, den Blickkontakt und eine ruhige Ausstrahlung vermittelt werden kann – ganz ohne Worte. So entsteht Atmosphäre durch Präsenz, die auch den Kindern hilft, ruhig anzukommen. Gerade in Momenten, in denen starke Emotionen im Raum sind, unterstützt mich die eigene Praxis dabei, nicht vorschnell zu reagieren. Ich mache Erfahrung, dass eine zugewandte Haltung oft mehr bewirkt als schnelle Lösungen. Deshalb ist meine Praxis für mich ein wichtiger Anker - besonders an Tagen, die fordernd sind.“
GESAMTDOKUMENTATION UND REFLEXION
Bis zum 01.08.2025 können Sie sich für das TMP 2025-2026 anmelden. Der Kurs startet am 15.08.2025 und findet in 4 Blöcke à 1,5 Tage in Präsenz statt.
ZUR ANMEDLUNG