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Im vergangenen Jahr leitete Dipl.-Psych., Senior-Lehrerin für MBSR, MBCL sowie MBCT und MBCL-Ausbilderin Jana Willms einen Workshop zum Thema „Mindfulness-Based Compassionate Living“ (MBCL) im Rahmen unseres Inkubationsworkshops im Klosterhof St. Afra in Meißen. In diesem Gespräch blickt sie auf ihre Erfahrungen zurück und teilt Gedanken dazu, warum Achtsamkeit, Mitgefühl und die Erfahrung von Verbundenheit gerade in Bildungskontexten zentrale Zukunftskompetenzen sein können.

Ankündigung: Der kommende Inkubationsworkshop findet vom 16.02.-19.02.2026 im Klosterhof St. Afra in Meißen statt. Der mehrtägige Workshop unter dem Thema „Achtsamkeit und gesellschaftliches Engagement“ dient als Ort des gemeinschaftlichen Praktizierens, des Innehaltens und der Vertiefung von verschiedenen Achtsamkeitspraktiken. Im Jahr 2026 findet der vorerst letzte Inkubationsworkshop statt. Jetzt anmelden!
 

Interview Mit Dipl. Psych. und Gastdozentin Jana Willms

ABiK: Frau Willms, viele kennen Achtsamkeit aus dem MBSR-Programm. Sie haben beim Inkubationsworkshop 2025 einen erfahrungsorientierten Einblick in das Programm „Mindfulness-Based Compassionate Living“ (MBCL) gegeben. Worin unterscheidet sich MBCL von MBSR?

Jana Willms: Das MBSR-Programm beinhaltet schwerpunktmäßig Übungen zur Entwicklung von Achtsamkeit. Die Teilnehmenden lernen innezuhalten, innere und äußere Erfahrungen bewusst und freundlich wahrzunehmen, ohne unmittelbar auf sie zu reagieren. Dadurch eröffnen sich ihnen neue Möglichkeiten, auf konstruktivere, heilsamere Weise mit Situationen umzugehen. Die Teilnehmenden praktizieren also überwiegend explizite Achtsamkeitsübungen, in denen sie implizit immer auch Freundlichkeit und Wohlwollen kultivieren. 

MBCL baut auf MBSR und dreht dieses Verhältnis um: Die Teilnehmenden praktizieren überwiegend explizite Übungen zur Entwicklung von Selbstmitgefühl und Mitgefühl mit anderen und vertiefen dabei gleichzeitig ihre Fähigkeit, achtsam und präsent zu sein. Sie lernen, fürsorglich, unterstützend und verständnisvoll auf Leid bei sich und anderen zu antworten. Herausforderungen werden zunehmend als Entwicklungsmöglichkeiten erlebt, aus denen sie gestärkt hervorgehen. Das fördert innere Balance, Resilienz und vertieft die Verbundenheit mit sich selbst und anderen. Ein weiterer Unterschied zwischen MBSR und MBCL besteht darin, dass für einen MBSR-Kurs keinerlei Vorkenntnisse in Achtsamkeit erforderlich sind. Im Gegensatz dazu ist MBCL ein Vertiefungskurs und setzt die Teilnahme an einem MBSR- oder MBCT-Kurs (oder einem vergleichbaren Programm) voraus.

ABiK: Was war Ihnen in diesem Workshop wichtig zu vermitteln? Welche Eindrücke sind Ihnen dabei besonders im Gedächtnis geblieben?

Jana Willms: Mir war wichtig, dass die Teilnehmenden MBCL nicht nur als Konzept kennenlernen, sondern dass wir einige MBCL-Übungen auch gemeinsam praktizieren – und dadurch ganz unmittelbar die Erfahrung von Wärme, Geborgenheit und Verbundenheit möglich wurde. Besonders berührt hat mich die Offenheit und das Vertrauen, mit der eigene Erfahrungen aus den Übungen in der Gruppe geteilt wurden. Die Resonanz im Austausch hat mir wieder so deutlich gemacht, wie sehr Mitgefühl Menschen über institutionelle Grenzen hinweg verbindet, und wie gut uns allen diese Verbundenheit tut.

ABiK: Sie betonen in Ihrer Arbeit die Erfahrung von Verbundenheit mit uns selbst, mit anderen und mit der Natur. Wie kann diese „Interdependenz“ in Bildungs- und Hochschulkontexten so vermittelt werden, dass sie konkret erfahrbar wird?

Jana Willms: Interdependenz wird erfahrbar, wenn wir Lernräume schaffen, in denen Beziehung und Resonanz genauso wichtig sind wie Inhalte. Wenn Begegnung möglich ist, kann auch Verbundenheit entstehen – zum Beispiel durch Momente des bewussten Innehaltens, durch wertschätzenden Austausch, in dem Menschen achtsam präsent sind und einander wirklich zuhören oder durch das Kultivieren von Wohlwollen und für uns selbst und unsere Mitwelt. Damit bereiten wir den Boden dafür, einander wirklich zu begegnen und uns bewusst zu werden, wie sehr unser eigenes Wohlergehen mit dem anderer und der Natur verbunden ist. 


ABiK: Welche Bedeutung haben achtsamkeitsbezogene Initiativen wie der Inkubationsworkshop für die Zukunft von Achtsamkeit in der Bildung und welche Entwicklungen wünschen Sie sich für solche Lern- und Erfahrungsräume?

Jana Willms: Der Inkubationsworkshop hat mir gezeigt, wie wertvoll es ist, wenn (Hoch-)Schulen Räume jenseits der reinen Wissensvermittlung öffnen. Solche Initiativen inspirieren und ermutigen Achtsamkeit und Mitgefühl nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern ganz unmittelbar zu erleben. Ich wünsche mir, dass diese Räume weiterwachsen – als Orte, an denen Lehrende sich selbst stärken, ihre Beziehungen bewusst gestalten und so eine Kultur der Achtsamkeit und des Miteinanders in ihre Institutionen tragen.

ABiK: Was können Menschen, die sich erstmals mit diesen Themen beschäftigen, aus achtsamkeitsbasierten Mitgefühlstrainings wie MBCL für ihren Berufs- oder Studienalltag mitnehmen?

Jana Willms: Menschen, die neu einsteigen, können mitnehmen, dass Freundlichkeit und Mitgefühl mit sich und anderen nichts mit Schwäche zu tun hat, sondern ein Zeichen von Mut, Stärke und Klarheit sind. Ein MBCL-Kurs vermittelt praktische Übungen, die ihnen helfen, sich selbst zu regulieren, Überforderung früher zu erkennen und verständnisvoll und angemessen darauf zu antworten. Dabei bleiben sie gleichzeitig offen für die Bedürfnisse anderer und entwickeln die Bereitschaft Lösungen zu finden, die dem Wohlergehen von allen Beteiligten bestmöglich dienen. Diese Qualitäten sind echte Schlüsselkompetenzen in anspruchsvollen Bildungs-, Arbeits- und Lebenskontexten.

Weiterführende Informationen: Sie sind an Mindfulness-Based Compassionate Living interessiert? Hier finden Sie mehr Infos zu mehr Infos zu Jana Willms, MBCL-Kursen, wie dem von ihr angebotenen 5-tägigen MBCL Retreat.