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Im Mai 2020 ist im Leipziger Universitätsverlag die Dissertation von Josefine Felgner zu den Effekten des bilingualen Sachfachunterrichts auf das Erlernen weiterer schulischer Fremdsprachen erschienen. Es handelt sich um eine empirische Arbeit mit einem quantitativ-analytischen Schwerpunkt im Bereich der Fachdidaktik Englisch und des bilingualen Unterrichts in Französisch.

Man würde vermuten, dass sich das Erlernen bzw. Sprechen einer Fremdsprache positiv auf den Erwerb von weiteren Fremdsprachen auswirkt. Wenn z.B. jemand im Ausland gelebt und eine fremde Sprache gesprochen hat, wird unterstellt, dass die Person sich in weiteren – noch unbekannten – fremden Sprachen besser zurechtfindet.

Entsprechend stellt bilingualer Sachfachunterricht seit Jahrzehnten ein wichtiges Instrument in der pädagogischen Praxis des Fremdsprachenunterrichts dar. Die Idee dieser Unterrichtsform besteht genau darin, diesen Prozess in der Schule nachzubilden. Damit einhergehend haben die verschiedenen Akteure und Entscheidungsträger im Bildungswesen mannigfaltige Erwartungen an diese Unterrichtsform. Gerade auch bei Eltern und Schülerinnen und Schülern ist bilingualer Sachfachunterricht beliebt. Allerdings liegt zur Wirksamkeit dieser Unterrichtsform bisher wenig belast- und verallgemeinerbare Evidenz vor.

Die Dissertation von Josefine Felgner beschäftigt sich am Beispiel des bilingualen Sachfachunterrichts in französischer Sprache mit diesem Problem. Die bildungs- und europapolitischen Ausgangssituationen werden dazu kritisch reflektiert und mit den bisherigen Forschungsergebnissen zu bilingualem Sachfachunterricht verknüpft. Darauf aufbauend werden in einer eigenen Untersuchung mit einem quasi-experimentellen Design in 13 Klassen an drei Schulen in Sachsen die Effekte dieser Unterrichtsform mit statistisch-analytischen Verfahren untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass bilingualer Sachfachunterricht nicht nur die Kenntnisse in der bilingual unterrichteten Fremdsprache – in der Untersuchung Französisch – fördert, sondern auch einen quantitativ belegbaren Zusatzeffekt auf die Kenntnisse in weiteren Fremdsprachen – in der Untersuchung Englisch – aufweist.

Dieses Unterrichtsangebot kann damit einen wichtigen Beitrag zur Förderung von europäischer Mehrsprachigkeit leisten. Aus der Studie lassen sich darüber hinaus auch Implikationen sowohl für die pädagogische Praxis, als auch für bildungspolitische Entscheidungen ableiten.

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