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Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung, der Sportwissenschaft, Erziehungswissenschaft und Neurowissenschaft konnten in einer umfangreichen Untersuchung zeigen, dass der Einsatz von Gesten und Bildern sich vorteilhaft auf Fremdsprachenkenntnisse in der Grundschule auswirkt. Dies ist eine Grundlage für die Weiterentwicklung moderner Lernmethoden, bei denen mehrere Sinne angesprochen werden.

In Zusammenarbeit mit Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus Deutschland (Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften Leipzig; Technische Universität Dresden) und Österreich (Universität Linz) sowie einer Kollegin aus der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät führte Dr. Christian Andrä mehrere Studien an der Erich-Zeigner-Grundschule in Leipzig durch. Diese wurden vom Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung im Rahmen der schulbezogenen Forschungsprojekte finanziert. Zudem waren ca. 70 Studierende der Universität Leipzig im Rahmen ihres Lehramtsstudiums an der erfolgreichen Umsetzung beteiligt. Untersucht wurden über 150 Schülerinnen und Schülern aus zwei Jahrgängen, jeweils in der 3. Klasse.

Die Kinder lernten jeweils an 5 aufeinanderfolgenden Tagen neue Englisch-Vokabeln. Der Unterschied gestaltete sich durch die Art der Präsentation. Entweder sie betrachteten Bilder (sensorische Anreicherung), sie führten Gesten dazu durch (sensomotorische Anreicherung) oder sie hörten die Wörter nur (keine Anreicherung). Unterschiede in den Wörtern bestanden in ihrer Art (z.B. konkrete Wörter wie Zelt oder abstrakte Wörter wie Gedanke). Die Vokabeltests erfolgten 3 Tage, 2 Monate und 6 Monate nach der Lernwoche. Somit konnten Aussagen über den Verlauf des Wortschatzes und den langfristigen Lernerfolg getroffen werden.

Die Wissenschaftler*innen fanden heraus, dass sowohl das Betrachten der Bilder, als auch das Ausführen von Gesten zu einer erhöhten Merkfähigkeit der Vokabeln im Vergleich zum bloßen Hörverstehen führte. Dieser Effekt ist langfristig, denn er war auch noch gut nach einem halben Jahr zu beobachten.

Diese Ergebnisse sind insofern interessant, da auf der Basis früherer Untersuchungen, die im Max- Planck-Institut mit Erwachsenen (anhand einer Kunstsprache) durchgeführt worden sind, davon ausgegangen wurde, dass die sensomotorische Anreicherung (das Ausführen von Gesten) die sensorische Anreicherung (Bilder betrachten) übertrifft. Dies war jedoch bei den Grundschüler*innen nicht der Fall. Das Ausführen von Gesten als auch das Betrachten von Bildern war für die Lernenden gleichermaßen förderlich. Es könnte sein, dass Erwachsene im Vergleich zu Grundschüler*innen anders lernen. Um das herauszufinden, führen die Wissenschaftler*innen momentan weitere Studien durch. Diese Studien werden dabei helfen, die unterschiedlichen Effekte in verschiedenen Altersgruppen besser zu verstehen und entsprechende Strategien für erfolgreiches Lehren und Lernen ableiten zu können.

Klar ist, dass multisensorisches Lernen im Vergleich zu eher traditionellen Lernmethoden einen höheren Lernerfolg beim Vokabellernen verspricht.

Unterstützende Gesten wirkten sich in diesen Studien vergleichbar gut wie unterstützende Bilder aus. Nun ist der Mehrwert von Bewegung beim Lernen an dieser Stelle hervorzuheben. Bewegung ermöglicht zahlreiche positive Effekte (z.B. gesundheitliche und schulökologische Aspekte), die sich stark entwicklungsfördernd auswirken können.

Originalveröffentlichung:

Andrä, C., Mathias, B., Schwager, A., Macedonia, Manuela und von Kriegstein, K.: Learning Foreign Language Vocabulary with Gestures and Pictures Enhances Vocabulary Memory for Several Months Post-Learning in Eight-Year-Old School Children. Educational Psychology Review (2020).

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