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Wie wirkt Achtsamkeit auf nachhaltiges Verhalten – und was bedeutet das für die Bildungsarbeit? Seit diesem Sommersemester ist das Mindful Teachers Program auch in das BiWi Modul 7 zur Schulentwicklung integriert, in ihrer Abschlussreflexion beschreibt eine Lehramtsstudentin eine die Verbindung von Nachhaltigkeit und Achtsamkeit und zieht ein persönliches Fazit. Der Beitrag ist Teil unserer Reihe "Statements von Studierenden" und bietet einen praxisnahen Einblick in das Projekt „Achtsamkeit in der Bildung und Hoch-/Schulkultur“.

Achtsamkeit schult die Kompetenz, gegenwärtig und reflektiert wahrzunehmen und bewusste Entscheidungen zu treffen. Außerdem fördert Achtsamkeit das Mitgefühl für uns selbst und für unsere Umwelt. Dies steht in einem engen Zusammenhang mit einer klimafreundlichen, sowie sozialen und nachhaltigen Lebensweise, da so der Blick auf globale Ziele, wie Gerechtigkeit und einen bedachten Umgang mit Ressourcen, gelenkt wird. Fragen, die ich mir selbst während der Achtsamkeitspraxis gestellt habe, nach meinen eigenen Bedürfnissen und nach den Konsequenzen meines Handelns, haben bei mir eine bewusstere Haltung erzeugt, welche zentral ist für ein nachhaltiges Verhalten im Sinne eines nachhaltigen Konsums oder sozialen Handelns.

Durch die Beschäftigung mit dem Projekt "Sonnenblume - Achtsamkeit in der Grundschule" ist mir bewusst geworden, dass Zeit die Grundlage für die Etablierung einer achtsamen Haltung bildet. Der Mensch wird nicht durch eine einzige Achtsamkeitsübung achtsam. Erst durch wiederholende Übungen, Routinen und eine wiederholende Auseinandersetzung kann es gelingen eine achtsame Haltung zu verinnerlichen (SEMAILLE, et al., 2018, Vgl. S. 29). Besonders schön finde ich die Idee der Lehrkäfte der Schule in St. Vith, welche symbolisch für die Beständigkeit und Langfristigkeit des Projektes und in diesem Sinne auch der Achtsamkeitspraxis, einen Apfelbaum gepflanzt haben. Bevor die Früchte des Baums geerntet werden können, benötigt dieser Wasser und Licht und viel Zeit (SEMAILLE, et al., 2018, vgl. S.30). Daraus schließe ich, dass um eine achtsame Haltung zu entwickeln, immer wieder Geduld und Übung in die Praxis gesteckt werden muss.

Achtsamkeit kann demnach als Schlüsselkompetenz für nachhaltiges Verhalten gesehen werden. Sie unterstützt ein achtsames Innehalten vor dem Handeln, öffnet den Blick für globale Zusammenhänge und stärkt die emotionale Grundlage für solidarisches, gerechtes und ökologisch verantwortungsvolles Verhalten, ganz im Sinne der 17 Sustainable Development Goals der UNESCO (SDGs, 2015). Gleichzeitig erfüllt eine Achtsamkeitspraxis erst diese Wirkung, wenn sie bei der jeweiligen Person nachhaltig etabliert wurde.

Großer Erkenntnisgewinn durch das Seminar

Das Seminar hat bewirkt, dass ich vor allem meinen eigenen Umgang mit mir selbst und anderen Menschen reflektiere. Besonders am Ende des Semesters und in der Prüfungsphase habe ich gemerkt, dass ich in Stresssituationen anders agiere als im vergangenen Semester. Ich spüre schneller, was mein Körper braucht und erläutere auch in Beziehungen mit anderen Menschen meine Bedürfnisse transparenter. Dies betrachte ich auch in der Arbeit als Lehrkraft als entscheidende Eigenschaft, um konstruktiv im Team zu arbeiten.

Vor allem informelle Praktiken, wie das Lächeln oder den Vertrag mit der Treppe, habe ich in meinen Alltag integriert. Formelle Praktiken zu integrieren fällt mir schwerer, jedoch nutze ich Übungen wie den Bodyscan mittlerweile häufiger in Situationen, in denen ich mich gestresst fühle. Durch eine größere innere Ausgeglichenheit und Ruhe fühle ich mich ebenfalls achtsamer im Umgang mit anderen Menschen. Beispielsweise höre ich mehr auf meinen Körper und nehme Treffen nur wahr, wenn ich mir bewusst Zeit dafür nehmen kann und auch Energie dafür habe. Ich treffe Entscheidungen deutlich bewusster, wodurch ich in Interaktionen mit meinen Gedanken mehr bei der anderen Person bin und die Begegnungen als wertschätzender und herzlicher wahrnehme. Insgesamt habe ich das Gefühl, durch das Seminar einen großen Erkenntnisgewinn erlangt zu haben und nehme mir vor, Achtsamkeitspraxis weiterhin mehr in meinen Alltag zu integrieren.